Vereinsgeschichte

"Unter Reihern"

Zur Vorgeschichte:


Ich wurde 1965 im Ruhrgebiet geboren und verbrachte dort meine Kindheit und Jugend. Nach meiner Ausbildung zum Betriebsschlosser im Bergbau kam ich im Januar 1986 durch die Bundeswehr nach Schwanewede.
Nach 4 Jahren als Zeitsoldat wurde der Norden jedoch zu meiner Heimat.
Einige Jahre im Internationalen Fernverkehr und später viele Jahre als Auslieferungsfahrer für einen Sanitär-Großhandel in Bremen-Nord sicherten meinen Lebensunterhalt.
Neben dem Beruf verbrachte ich viel Zeit mit den Reservisten , befand mich mit meiner Hündin auf dem Hundeplatz zur Ausbildung und Training oder auf div. Tournieren. Die Beziehung zu den Tieren war für mich schon immer sehr wichtig. Selbst auf dem Lkw wurde ich immer von meiner Hündin begleitet.
1998 zog ich mit meiner damaligen Frau nach Meyenburg bei Schwanewede und fühlte mich in dem kleinen romantischen Dorf sehr wohl. Nur der Kontakt mit den „Eingeborenen“ war anfangs nicht ganz einfach.
Ich fing wieder mit dem Motorradfahren an und bekam, überwiegend durch andere Motorradfahrer, einen immer größer werdenden Bekannten – und Freundeskreis.
Familiär kam es irgendwie zur Trennung und ich wurde einige Zeit später zum „Rocker“.
Man kannte auch meine Leidenschaft zum schießen. Im Reservisten Verband hatte ich den Kontakt zu ehemaligen Soldaten erhalten und war Mitglied in einer Kameradschaft, die überwiegend mit Großkaliberwaffen schoss.
Man nannte mich bald nur noch Teckelberry.
(hing wohl irgendwie mit einem verrückten Waffennarren, aus einem Film in den 80er Jahren zusammen)
Es waren teilweise sehr intensive Lebensabschnitte. Trennung, Kontakte zur Rocker-Szene,Verbands-Arbeit und der Beruf.
Ich hatte mich mittlerweile dem Motorrad Club angeschlossen, in dem ich auch eine weitere Familie gefunden habe.
Das Jahr 2000 war dann entscheidend für mein späteres Leben.
Auf der Party eines Freundes in Meyenburg kam es zum ersten Kontakt mit einem Fischreiher.Während wir im Garten am feiern waren, bemerkte einer der Gäste plötzlich den großen Vogel auf dem Grundstück. Er humpelte am Gartenzaun entlang.
Ich war völlig fasziniert. Noch nie hatte ich so einen großen Vogel aus solcher Nähe beobachtet.
Etwas schockiert war ich dann aber über die unterschiedlichen Reaktionen der anderen Gäste.
Einige waren völlig gleichgültig, weil es nur ein Tier war und einzelne meinten sogar, dass man dieses Vieh erschlagen sollte, damit er keine Gartenteiche mehr leer fressen kann.
Ich war da allerdings völlig anderer Meinung, denn der Fischreiher benötigte in erster Linie Hilfe.
Mein Freund erzählte uns, dass nur etwa 100 Meter entfernt der „Reiherwald“ wäre. Dort nisten die Vögel und es würden auch jedes Jahr so viele Tiere aus den Nestern fallen, dass der ganze Wald unerträglich nach Aas riechen würde. Die abgestürzten Vögel werden am Boden auch nicht mehr von den Eltern gefüttert und verhungern schließlich.
Er sagte auch, dass es niemanden geben würde, der sich um diese Tiere kümmern würde.
Zu seiner Schulzeit hätte es aber einen Lehrer gegeben, der mit seinen Schülern einige dieser Tiere großgezogen hätte.
Nun, eins war zumindest erst einmal klar. Der Vogel brauchte Hilfe und Futter.
Ich nahm den Fischreiher also erst einmal mit nach Hause und brachte ihn zunächst im alten Wohnwagen unter. Futter war auch nicht das Problem, denn mei Freund hatte immer einige Fische in der Kühltruhe weil er möglichst oft beim Angeln ist.
Nach dem Wochenende fuhr ich als erstes zum Tierarzt um dem jungen Reiher helfen zu lassen. Dort war der Tierarzt allerdings empört darüber, dass ich mit einem Wildvogel in seine Praxis kommen würde. An Wildtieren würde er außerdem auch nichts verdienen. Es gab eine ganz kurze Diskussion, in dessen Verlauf er wohl erkannt hat, wie viele Hundebesitzer mir alleine durch meine Hundesport-Aktivität bekannt sind. Er untersuchte den Vogel und behandelte eine Wunde an der Brust. Auch für die Zukunft bot er seine Hilfe an.
Als es dem kleinen Reiher anfing, besser zu gehen, zeigte er mir, dass er mit Menschen eigentlich gar nichts zu tun haben wollte. Zuerst musste er schließlich von mir unter Zwang gefüttert werden, weil er keinerlei Fische alleine fraß. Jedes Mal musste ich aufpassen, dass ich nicht zu nahe an seinen großen und spitzen Schnabel gerate. Bald schon fraß er dann aber doch alleine und ich musste meinen Freund des öfteren bei seinen Angelausflügen begleiten, um genügend Futter für Herby zu besorgen.
Es dauerte auch nicht sehr lange, bis der kleine „Herby“ fliegen konnte und seinen eigenen Weg ging oder besser gesagt, flog.
Ich hatte natürlich noch nicht die geringste Ahnung, wie sehr dieser kleine „Herby“, mein ganzes späteres Leben beeinflussen würde.
Ich beschloss, mir diesen „Reiherwald“ einmal anzusehen und fuhr mit dem Motorrad zum
Meyenburger Dorphuus. Ich stellte mein Motorrad auf dem Parkplatz ab und ging über einen Trampelpfad in den Wald.
Heute ist mir klar, das es die ersten Schritte in ein komplett neues Leben waren.
Ich wurde von einer Geräuschkulisse empfangen, die kaum zu beschreiben ist. Überall in den Nestern hörte ich das Gegacker von Reihern. Es kam mir vor,als wenn es hunderte dieser Vögel waren und ich bekam die Gänsehaut meines Lebens. Als wäre ich von einem zum anderen Moment in eine andere Welt geraten.
Das ständige An – und Abfliegen der großen Vögel raubte mir fast den Atem, solche Faszination überwältigte mich bei dem Anblick. Ich musste immer wieder an die Gespräche mit meinem Freund denken und konnte nicht glauben, dass sich niemand um diese Tiere kümmern würde. Ich spürte jedenfalls den Drang, mehr über diese Vögel zu erfahren.
Ich sah aber auch viele tote Vögel am Boden liegen, die dort elend verhungert waren. Es roch in manchen Teilen des Waldes tatsächlich etwas stärker nach Verwesung.
Ich kann nicht sagen, wie viele tote Reiher ich gesehen habe aber es war total erschreckend und ich hatte das Gefühl, etwas unternehmen zu müssen.
Über das Internet versuchte ich natürlich auch, Informationen zu bekommen. Die Erfolge waren aber sehr dürftig. Allgemeine Informationen gab es genügend.
Größe bzw. Länge des Reihers : etwa 95 – 100 cm, Flügelspannweite : ca. 180cm,
Gewicht : etwa 1500 Gramm (bei einem ausgewachsenen Tier) ,
ein Gelege besteht aus 3 – 5 hellgrünen Eiern , bei der Brutzeit werden 24 – 26 Tage genannt oder auch Reiher können ein Alter von etwa 30 Jahren erreichen, sind meist Koloniebrüter und gehören zur Familie der Schreitvögel.
Verbreitet ist der Reiher in Europa, Afrika und Asien
Beim Lebensraum wird die Nähe von Steh- oder Fließgewässern, aber auch Feuchtgebiete oder Küstennähe genannt. Nahrung : von Fisch, kleine Nagetiere, Insekten oder auch Vogeleier findet unterschiedliche Angaben.
Der Lateinische Name : Ardea cinerea
Hin und wieder besuchte ich die Kolonie und fand gelegentlich wieder einen jungen Vogel, der durch den Wald irrte oder bereits völlig entkräftet unter den Nestern saß und auf sein Ende wartete.Es war immer wie eine Achterbahn der Gefühle.Irgend etwas in mir war geschockt, weil so ein armes Wesen, in so einem jungen und unschuldigen Alter,schon solche schlimmen Erlebnisse hatte. Die Ursache für den Absturz aus dem Nest wird man natürlich kaum heraus finden. Aber eine Sache ist bei allen gleiche.
Sie sind alleine und dem sicheren Tot ausgeliefert, und sie haben Angst.
Manche brechen sich beim Fall aus dem Nest sämtliche Knochen und sterben recht schnell an den Verletzungen. Einige junge Vögel sitzen aber auch voller Parasiten oder Fliegenmaden wenn sie aufgefunden werden. Fliegenmaden fressen sich in Wunden hinein.v Schwere Infektionen sind die Folge, schwächen die Tiere und führen schließlich zum Tot. So sehr die Eltern auch bemüht sind, ihre jungen zu versorgen, so grausam scheint es aber auch ,wenn sie kranke Kinder einfach aus dem Nest werfen.
Helfen können sie in den Fällen allerdings auch nicht. Also können sie schadhafte Tiere nur aussondern.
Manche Menschen sind der Meinung, dass es sich in diesen Fällen um natürliche Ausleese handelt und es keinerlei Gründe gibt, in die Natur einzugreifen.
Meiner Meinung sollte man nach Möglichkeit jedem dieser Vögel eine Chance ermöglichen zu leben. Denn wenn ich bedenke, wie viele Tiere durch den Menschen zu Schaden kommen, muss es für jeden Menschen auch eine Pflicht sein, im Rahmen seiner Möglichkeiten, Hilfe zu leisten.
Nicht nur bei Reihern. Richten wir nicht genügend Schäden in der Natur an? Sehen wir nicht fast jeden Tag irgendwo tote Tiere an der Straße liegen, die Opfer von Autos wurden? Fragt sich mal jemand, ob diese Unfallopfer irgendwo Babys haben, die nun nicht mehr versorgt werden und ganz elendig verhungern?
Fast jeden Tag bekommen wir etwas zu sehen, lesen oder hören, über gefährdete oder aussterbende Tierarten. Oder über den Klimawandel. Sind wir schon so abgestumpft, dass wir diese Meldungen zwar aufnehmen aber nicht verstehen können?
Trotz ständiger Suche nach hilfreichen Informationen zur Aufzucht der jungen Graureiher wurde ich nicht fündig.
2004 schien dann ein schwerer,unverschuldeter Autounfall, sämtliche Bemühungen zunichte zu machen.
Meine 4 Monate junge Hündin, die mit mir im Wagen war, hatte zum Glück keine Schäden erlitten.
Ich war dafür mit angebrochener Wirbelsäule für 11Monate außer Gefecht.
In der anschließenden Reha war ich immer nur der kleine Rocker und die Clique mit der ich die Zeit dort verbrachte, wollte unbedingt einmal eine richtige Rockerparty miterleben. Mein Club hatte mich natürlich auch in der Reha besucht und die Clique hatte meine Brüder kennengelernt.
Mit einer Frau aus unserer Gruppe entstand sogar eine Freundschaft, die auch im Anschluss an die Reha weiter bestand. Wir hatten sehr oft miteinander telefoniert und uns gegenseitig unsere Probleme erzählt.
Am 27.Mai 2005 war dann die nächste Party meines Clubs zu der sich auch unsere Reha-Clique wiedersehen wollte.
Allerdings hatte nur Heike es möglich machen können, zu unserer Party zu kommen.
Ob es nun Bestimmung war oder nur ein Zufall, lässt sich schwer sagen. Jedenfalls wurde an diesem Rocker-Wochenende aus uns ein Paar.
Natürlich wollte Heike auch den Reiherwald kennenlernen, von dem ich ihr schon so oft erzählt habe.
Für Heike war es eine wahnsinnige Überwindung gewesen, überhaupt nach Schwanewede zu kommen.
Und dann auch noch zu den Rockern. Man muss auch dazu sagen, dass sie früher ein sehr ängstlicher Mensch war. Schlechte Erfahrungen mit großen Hunden und vor allen Dingen aber mit Menschen.
Und von den Rockern hatte sie vorher auch nicht viel gutes gehört.
Ein weiteres größeres Problem waren die zwei jungen Graureiher, die zu dieser Zeit bei mir im Garten herum liefen. Sie kannte die Fischreiher zwar schon aus ihrer Heimatstadt im Sauerland. Dort hatte sie die großen Vögel immer bewundert, wenn sie am „Lenne-Ufer“ standen um Fische zu erbeuten.
Aber natürlich hatte sie noch nie einen Reiher so nahe vor sich gehabt. Ihr war die Situation sehr unheimlich.
Als wir gemeinsam den Reiherwald besuchten, und wieder einige tote Reiher fanden, war auch ihr nicht verständlich, dass es niemanden zu geben scheint, der für die in Not geratenen Tiere verantwortlich ist.
Am darauf folgenden Wochenende ist Heike wieder nach Meyenburg gekommen. Dieses Mal hatte sie ihre Tochter Vivien mitgebracht damit sie Mamas Freund kennenlernt. Meine Hündin „Jeanny“hat wohl auch einen großen Teil dazu beigetragen, dass die beiden sich hier sehr wohl gefühlt haben.
Wir wollten uns auf das ganz große Familien-Abenteuer einlassen und die zwei wohnten bereits nur wenige Wochen später bei mir in Meyenburg.
Wir beschlossen auch, uns in der Zukunft gemeinsam um die Graureiher zu kümmern.
Durch diese Gemeinsamkeit ergänzten wir uns in vielen Situationen. Heikes Mutterinstinkte bewirkten manchmal sogar kleine Wunder.
Entsprechend der Witterung kehren die Reiher meist zwischen Mitte Februar und Ende März in ihre Brutkolonie nach Meyenburg zurück. Ob sie versuchen, ihre alten Nester wieder zu beziehen, lässt sich natürlich nicht sagen. Nachdem sie ein Nest bezogen haben, fangen sie gleich an, dieses weiter auszubauen und auch zu verteidigen, wenn Artgenossen es besetzen wollen.
Ständig sieht man die Reiher mit Ästen im Schnabel zu ihren Nestern fliegen.
Etwa Anfang bis Mitte April findet man die ersten Hellgrünen Eischalen unter den Nestern.
Für uns das Zeichen, es bald wieder recht laut im Wald wird.Verständlich, dass ein ganz junger Vogel noch nicht so ein lautes Organ wie ein älterer Vogel hat. Da die Altvogel auch nicht alle zeitgleich, sondern zeitlich versetzt in der Kolonie ankommen und dem entsprechend zu etwas unterschiedlichen Zeiten mit dem Gelege beginnen, schlüpfen natürlich auch die Küken zu verschiedenen Zeiten.
Wenn wir die ersten Eischalen unter den Nestern finden, dauert es meist nicht sehr Lange, bis wir auch die ersten Pechvögel am Waldboden entdecken.
Zu Beginn unserer beabsichtigten Hilfe sind wir bei jeder Möglichkeit zu einem kurzen Besuch in den Wald gefahren, um nach dem Rechten zu sehen. Irgendwann fanden wir natürlich auch den ersten Vogel. In der Regel dauerte es auch nicht sehr lange, bis sich der nächste Reiher dazu gesellte.
Manchmal wurde es schon etwas anstrengend, wenn wir es mit Vögeln zu tun hatten, die in ihren Artgenossen nur einen Rivalen gesehen haben. Erst hatten wir sie einfach im Garten herumlaufen lassen, damit sie sich selbst ihren Platz suchen aber auch aus dem Weg gehen können. Bei manchen funktionierte es aber nicht. Sie haben jede Möglichkeit genutzt, auf ihre Artgenossen loszugehen. Aber man kann ja auch nicht erfahren, ob ihr Verhalten mit einem Trauma zusammen hängt, das zu ihrem Absturz geführt hatte. Wenn z.B. ein älterer Jungreiher aus einem anderen Nest im Baum, übermütig das eigene Nest attackiert hat. Selbst solche Situationen haben wir schon einige Male beobachten können.
Wir mussten in solchen Fällen natürlich dafür sorgen, dass sich die jungen Tiere nicht gegenseitig verletzen.
Manchmal litten die Vögel aber auch an infizierten Wunden auf denen bereits Fliegeneier abgelegt wurden. Hier war dann eine etwas intensivere Aufmerksamkeit gefordert. In den meisten Fällen schienen die jungen Reiher aber zu merken, dass wir ihnen nur helfen wollten, denn sie ließen fast alles ruhig über sich ergehen. Manche zeigten sogar deutlich ihre Dankbarkeit.
Nach dem Absammeln von größeren Schädlingen hat sich oft normales Hundeshampoo gegen Flohbefall bewährt. Anschließend ging es auf die Heizdecke und schnell waren die Lebensgeister wieder geweckt.
Wenn es dazu noch regelmäßig eine Mahlzeit gab, konnten wir erleben, wie schnell aus den kleinen, große Reiher wurden.
Um sie so nahe wie möglich an ein natürliches Heranwachsen zu bringen, versuchten wir, ihnen Ersatz-Nester zu schaffen. Auf Stapeln von Einwegpaletten schafften wir mit Hilfe von Motorradreifen und Ästen ein neues Zuhause für unsere Ziehkinder. So waren sie voneinander getrennt und trotzdem für eine Fütterung durch uns erreichbar.
Eines Tages schlug aber auch bei uns irgendein Räuber zu und wir fanden einen unserer Zöglinge tot neben dem Grundstück auf. Wir waren nicht sicher, ob wir mitten in der Nacht die Schreie des Vogels gehört hatten. Bis zu dem Tag hatten wir zwar an schönen Tagen auch hin und wieder im Garten gezeltet. Seit dem Vorfall verbrachten wir jedes Jahr,fast den gesamten Sommer jede Nacht im Zelt, um ggf. noch rechtzeitig eingreifen zu können.
Wir waren noch immer auf der Suche nach Hilfe oder Tipps um nach Möglichkeit keine Fehler zu machen. Ich hörte von Arbeitskollegen, das es eine weitere Fischreiher-Kolonie in Ritterhude, an der B6
geben würde. Dort wäre es schon mehrfach , beinahe zu Unfällen gekommen, weil junge Tiere, die aus den Nestern gefallen sind, direkt an der Bundesstraße herum liefen. Ich fragte bei einem Tierarzt in unmittelbarer Nähe nach, ob dort jemand bekannt wäre, der sich in solchen Fällen um die Tiere kümmert oder eine Anlaufstelle bekannt wäre. Nun ,seit dem sind wir die Anlaufstelle.
Irgendwie ist dann auch die Presse auf uns aufmerksam geworden. Es schien wohl ungewöhnlich, dass sich jemand ehrenamtlich um diese Tiere kümmert.
Ich habe schon berichtet, wie schwierig es am Anfang war, von den Meyenburgern akzeptiert zu werden.
Es ist halt ein sehr altes, langsam wachsendes Dorf. Das macht aber irgendwie auch diesen romantischen Charme aus. Als ich 2004 mal einigen Menschen in Goslar das Leben gerettet hatte und mehrere Zeitungen mich als Helden von Goslar bezeichneten, kannten mich auf einmal viele der Einheimischen, sogar mit Namen. Ich hatte in unserem kleinen Laden einmal mitbekommen, wie zwei ältere Damen über mich tuschelten: „Das ist doch der Rocker, der sich auch um die Reiher kümmert.“
Für Einige war ich auch nur der „Reihermann“
Seit ich mit Heike Thema in der Zeitung war, gab es natürlich auch noch die „Reiherfrau“
Hin und wieder meldeten sich auf einmal die Anwohner bei uns, mit den unterschiedlichsten Vögeln, die entweder aus dem Nest gefallen waren, gegen irgendwelche Scheiben geflogen sind oder auch von Katzen angeschleppt wurden. Selbst mehrere Unfallopfer, die an der Straße gefunden wurden, hat man zu uns gebracht. Wir kannten uns doch nicht einmal mit den kleinen Vögeln aus und waren schon entsprechend gefordert, um den Reihern zu helfen. Aber nachdem wir oft zu hören bekamen, dass die Finder schon bei anderen Tier- oder Naturschutzvereinen angerufen hatten, die sich entweder nicht zuständig fühlten oder der Meinung waren, die Vögel liegen zu lassen, weil es natürliche Auslese wäre. Wir konnten natürlich auch keine Versprechungen machen aber wir versuchten zumindest, den kleinen zu helfen.
Von kleineren Verletzungen abgesehen, waren natürlich die wichtigsten Informationen, die für eine erfolgreiche Hilfe notwendig waren:
–Was für ein Vogel ist es überhaupt, den man uns gebracht hat ?
–Was benötigt der Vogel zu fressen ? Das kann je nach dem Alter des Vogels auch unterschiedlich sein.
–Wie und wo bringt man ihn unter ?
Wir waren oft im Internet unterwegs um wichtige Informationen einzuholen.
Trotz mehrerer Tiefpunkte hat Heike nie wirklich aufgegeben und die kleinen Vögel sind ihr immer mehr ans Herz gewachsen.
Oft bekommen wir Vögel gebracht, wo die Finder viel zu voreilig eingegriffen haben. Viele Tiere bedürfen nicht unbedingt die Hilfe der Menschen, weil sie auch außerhalb ihres Nestes von den Eltern weiterhin versorgt werden. Deshalb raten wir in den meisten Fällen, zu beobachten, wie sich die Tiere verhalten. Wer helfen möchte, sollte sich darüber im klaren sein, dass Hilfe etwas Zeit in Anspruch nimmt.
Zu übereifriges Handeln kann auch zur Folge haben, dass man Kinder den Eltern weg nimmt.
Auch wenn ein guter Gedanke dahinter steht. Niemand kann die Eltern ersetzen. Es wird natürlich um so schwieriger, je kleiner die Babys sind.

Fortsetzung folgt…..